Literatur im November als Drei-Gänge-Menü
In der Mensa der Richard-Müller-Schule wurde im Rahmen der 29. Kennenlernlesung „Literatur im November“ ein begeisterndes literarisches Menü durch die zehn Autorinnen und Autoren serviert.
Die alljährlich am letzten Sonntag vor der Adventszeit stattfindende Lesung der Kinder- und Jugendbuchautorinnen und -autoren wurde durch die verantwortliche Vorsitzende des Vereins Zukunft Bildung Fulda e.V. Claudia Hümmler-Hille eröffnet, die einen kurzen Überblick über das bevorstehende Menü gab. Sie konnte viele Literaturbegeisterte in der gemütlich geschmückten Mensa der Richard-Müller-Schule auch im Namen des Schulleiters Jörg Demuth begrüßen. Stadtrat Stefan Grauel äußerte in seiner kurzweiligen Ansprache eine hohe Wertschätzung für die Veranstaltung und die anschließenden Lesereisen der Autoren und Autorinnen durch die Schulen des Landkreises, ebenso für das Engagement des Staatlichen Schulamtes und des Friedrich-Bödecker-Kreises. Er überreiche dem Verein eine Spende für die wichtige Unterstützung der Lesekultur. In der Mensa, wo Schüler tagsüber essen, könnten die Zuhörenden gleich in den Genuss einer anderen „Superkraft“ kommen, nämlich dem Vorlesen, so Dr. Michael Imhof, 2. Vorsitzende des Vereins Zukunft Bildung Fulda, der damit die Wichtigkeit des Vorlesens für die allgemeine Sprachkompetenz betonte.
Einen spannenden Aperitif servierte Antje Babendererde mit ihrer Lesung aus „Schneetänzer“. Das Publikum begleitete den Protagonisten Jakob, der in Kanada auf der Suche nach seinem verschwundenen Vater ist und in der Wildnis Bekanntschaft mit einem Wolf und einem nicht ganz so frischen Bären macht.
Nach einem musikalischen Zwischengang der Lehrerband „The Richies“, die das Menü musikalisch stimmungsvoll ergänzte, machte Thomas Hauck mit seinem „Linus, der Wikinger“ Lust auf mehr, vor allem Erdnussbutterplätzchen. Diese verstreut der kleine Linus nämlich auf der Such nach seinem „Traumende“ auf die Wellen des Meeres, Spiegelfläche für den Wikingertraum des Jungen, der mit den Plätzchenkrümeln gleichsam zum Leben erwacht. Auch einen gefährlichen Beruf – nämlich Räuberhauptfrau - wünscht sich die Hauptfigur aus Bettina Obrechts Roman „Marlene und die wilde Bande“. In der vorgelesenen Szene muss sich Marlenes Räuberratte vor Killerkater in Sicherheit bringen. Unfreiwillig muss Marlene beim Wiedereinfangen den Nachbarsjungen um Hilfe bitten, der tatsächlich meint, Räuberbanden seien nichts für Mädchen. Den ersten Gang beendete Christoph Schellenberg mit „Anton983. Ein Ameisen-Abenteuer der besonderen Art“. Das kleine, etwas verpennte Krabbeltier aus dem Ameisenstaat, in dem jede Ameise Anton heißt, gelangt zum ersten Mal an die Erdoberfläche, wo es in einer waghalsigen Aktion einen Distelfinken vor einem Sperberangriff bewahrt.
Die drei Hauptgerichte fächerten die literarische Geschmacksvielfalt weiter auf: Mit dem fundiert recherchierten Roman „1933 – Feuer!“ servierte Ursula Flacke nachdenklich stimmende Kost. Flacke schildert am Beispiel der Freundinnen Elisa und Judith die wachsende Kluft und den zunehmenden Hass zwischen Kindern, indoktriniert durch die Nazis, die nach und nach Einfluss auf alle Lebensbereiche nehmen. Martin Ebbertz garnierte sein Gericht „Ebemibil der Ameisenbär“ mit vielen „b´s“ und sorgte mit seiner Geschichte für viele Lacher. Da Ameisenbären die Menschensprache nicht aussprechen können, musste das Publikum die Ameisenbärensprache lernen, was eine lustige Herausforderung darstellte. Die als Zauberin verkleidete Nicola Nüchter stellte aus dunkler Magie, verworrenen Rätseln und zwielichtigen Kobolden einen besonderen Fantasy-Teller zusammen. Mit „Nubes“ (3 Bände) entführte sie die Zuhörenden in die Magierschule, wo sie sich die Ränke um den bösen Magier Arcus auf der Zunge zergehen lassen konnten.
Iris Lemanczyk arrangierte ihr Dessert kunst-voll: mit ihrer Lesung aus „Mariams Farben“ eröffnete sie einen interessanten Blick auf die „armenische Frida Kahlo“, Mariam Aslamazyan. Beginnend mit der Jugend um 1920 in Armenien verfolgte man den Werdegang der begabten Künstlerin bis an die Moskauer Kunsthochschule. Der vor allem durch seine Ostfrieslandkrimis bekannte Klaus-Peter Wolf servierte als zweite Nachtischvariation eine lustige Kostprobe aus einem Jugendbuch und eine sehr spannende und brillant gelesene aus seinem Erwachsenenkrimi „Der Weihnachtsmannkiller“, der die berühmte Kommissarin Ann Kathrin Klaasen ins Visier nimmt. Das süße Finale kredenzte Bettina Goeschl mit Seeräubergeist Faugaz (für: faulster Geist aller Zeiten) und Klabautermädchen Fregaz (für frechstes Geistermädchen aller Zeiten). Aus genannten Gründen und wegen eines Missgeschicks müssen die beiden seit hundert Jahren gemeinsam in einer Flasche auf dem Grund der Nordsee ausharren. Ob sich die beiden in ihrem Flaschengefängnis auf Regeln fürs Würfelspiel einigen können, erfährt man in „Die Schiffsgeister 1: Die geheimnisvolle Flasche“.
Wer durch die literarischen Appetizer auf den Geschmack gekommen war, konnte die jeweiligen Werke im Anschluss auf dem gut sortierten Büchertisch der Buchhandlung Ulenspiegel aus Fulda erwerben und sogleich von den „Wörter-Koch-Künstlern“ signieren lassen.