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Im Gespräch mit einem Auschwitz-Überlebenden

Dr. Leon Weintraub zu Gast an der Richard-Müller-Schule

 

In der vergangenen Woche hatten Schülerinnen und Schüler der Richard-Müller-Schule die Möglichkeit, mit dem Zeitzeugen und Auschwitz-Überlebenden, Dr. Leon Weintraub, über seine beeindruckende Lebensgeschichte zu sprechen und dadurch einen sehr persönlich geprägten Blick auf die deutsche Geschichte zu werfen.

Es ist kaum möglich Dr. Leon Weintraub in einem simplen Foto festzuhalten, so präsent und bemerkenswert ist seine Person. Sofort kann er die Aufmerksamkeit seiner Zuhörerinnen und Zuhörer gewinnen und sie die folgenden eineinhalb Stunden, die er übrigens stehend absolviert, mit dem Erzählen seiner Lebensgeschichte emotional berühren. Er überwindet mit der Schilderung seiner Erinnerungen an seine Kindheit in Lodz (Polen) mühelos die zeitliche Distanz und lässt vor dem inneren Auge des Publikums die ehemalige Wohnung und Wäscherei entstehen, indem er Details erinnert: Dort stand ein Regal, links die Tische, die nachts in die Betten für die Schwestern umfunktioniert wurden, daneben die Wäschekörbe... So eingebunden folgen die Jugendlichen seinem Weg: Zunächst seine frühe Jugend im Ghetto Litzmannstadt, wo er unter der strengen Überwachung der deutschen Ghetto-Leitung u.a. als Elektriker arbeitete. Es folgte die Deportation bzw. die Räumung des Ghettos ins Konzentrationslager Auschwitz. Aus seiner Zeit im KZ schildert Dr. Weintraub einige wenige, aber umso eindringlichere Erinnerungen, wie die entwürdigende „Aufnahmeprozedur“, bei welcher er seine Mutter und Tante zum letzten Mal lebend sah. Beide wurden sofort ermordet. Seine beinah sachlichen, niemals anklagend oder dramatisierend wirkenden Schilderungen ermöglichen eine intensive Anteilnahme. Dem sicheren Tod in Ausschwitz entkam Dr. Weintraub nur durch einen Zufall: Er wurde mit einem Arbeitstrupp aus dem Lager herausgebracht, um eine Stromleitung zu legen. Nach einer Odyssee durch weitere Lager und über Todesmärsche strandete er dann in Donaueschingen und Konstanz, wo er von dem Überleben von zweien seiner Schwestern erfuhr. Dass Antisemitismus nicht mit dem Nationalsozialismus zu Ende gegangen ist, musste Leon Weintraub als junger Mann schmerzlich erfahren: Nach dem erkämpften Medizinstudium, zunächst ohne, dann mit Notabitur in Deutschland und einigen erfolgreichen Berufsjahren in seinem Heimatland Polen, verließ er dieses im Zuge der antisemitischen Verfolgung durch die kommunistische polnische Regierung nach Schweden. Anstatt daran zu verzweifeln, hat er es sich zur Lebensaufgabe gemacht, für die Demokratie, für Menschenrechte und insbesondere für die Gleichheit aller Menschen und gegen alle anderslautenden Ideologie bis ins hohe Alter einzutreten. Dass ihm hier ein bleibender Eindruck gelungen ist, zeigte die Reaktion der Schülerinnen und Schüler, die in greifbarer und ergriffener Stille zuhörten und zuletzt interessiert Fragen stellten. Es bleibt zu hoffen, dass noch viele junge Leute diese Erfahrung machen dürfen.

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